HPVSH – Projekt: Digitale Sterbebegleitung in Zeiten der Corona-Pandemie

12.05.2020

Pionierarbeit durch Angehörige des Instituts für Informatik der CAU

Was macht die verordnete Isolation eigentlich mit Menschen, die auf Palliativstationen oder in Hospizen sind und von einem auf den anderen Tag keine Besuche mehr bekommen konnten?
Für den Hospiz- und Palliativverband Schleswig-Holstein e.V. war sehr schnell klar, dass Tablets angeschafft und konfiguriert werden müssen, damit wenigstens auf dem digitalen Wege Kontakt gehalten werden kann.
Die Tablets müssen beschafft werden, ca. 200 sind mittlerweile gespendet worden, und sie müssen so konfiguriert sein, dass sie sehr, sehr einfach bedient werden können. Das Institut erhielt eine entsprechende Anfrage der HPVSH-Geschäftsführerin Claudia Ohlsen, umgehend wurde eine Mail an Studierenden und Mitarbeitende des Instituts geschickt und innerhalb von 2 Stunden hatten sich bereits fünf Freiwillige gemeldet.
Mittlerweile gibt es eine offizielle Kooperationsvereinbarung zwischen dem HPVSH und dem Institut für Informatik.


"Die jetzige Ausnahmesituation hat nicht nur Initiativen neu entstehen lassen, sondern auch viel bereits bestehendes Engagement noch sichtbarer gemacht und zu neuen Kooperationen geführt. Das Projekt von Prof. Repp, welches nun unter anderem Mediziner und Informatiker zusammenbringt, ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Dies hilft nicht nur den Nutzern der Tablets, sondern ist sicher auch für unsere Informatik-Studierenden und -Mitarbeiter*innen eine große Bereicherung, die sich ohne Corona vermutlich so nicht ergeben hätte“, meint Prof. Dr. Reinhard von Hanxleden (Geschäftsführender Direktor des Instituts für Informatik).

Das Projekt steht noch ganz am Anfang, derzeit werden Anleitungen erarbeitet, damit die Prozesse reibungslos ablaufen können. Die Teammitglieder tauschen sich durch regelmäßige Videokonferenzen aus.
Es wird den Bereich der Konfiguration (Technik-Team mit derzeit sechs Personen) und den des Supports für die Anwender*innen geben. Der Support soll im Rahmen eines sog. Ticketing-Systems ablaufen, das von einer externen Firma aufgelegt wird. So wird sichergestellt, dass schnell remote auf die Tablets zugegriffen werden kann und die Probleme und Fehler rasch beseitigt werden.
Bei der Tablet-Einrichtung wird eine App verwendet, die für eine extrem leichte Bedienung sorgt.

In einem Gespräch berichteten vier dieser Freiwilligen über ihre Motivation zur Mitarbeit und ihre derzeitigen Aufgaben:
Henrik Schmidt ist seit 1993 als Techniker/System-Administrator im Institut für Informatik. Durch persönliche Erfahrungen in der Sterbebegleitung hat er nach dem Mailaufruf nicht lange gezögert. Er ist mit dabei, die Tablets zu konfigurieren, so hat er u. a. ein Wochenende damit verbracht, acht Tablets nutzerfreundlich einzurichten, fünf weitere sind in Bearbeitung. Dafür gibt es festgelegte Prozeduren. Henrik hat bislang ca. 20 Stunden seiner Zeit investiert. Für ihn kam der Aufruf „wie gerufen“ und er wird auf jeden Fall so lange im Projekt bleiben, wie es notwendig ist.


Die beiden Studierenden Benedikt Wetzel (2. Semester Informatik-Master) und Enes Öksüz (1. Semester Informatik-Master) waren aufgrund der Mail gleich interessiert, haben aber noch eine Zeitlang überlegt, sich auch mit anderen Informatik-Studierenden per Videokonferenz ausgetauscht. Beide haben HiWi-Verträge (Fachbibliothek bzw. Lehrstuhl) und wollten sicher sein, dass sie ihren Verpflichtungen auch nachkommen können, wenn sie sich im Projekt engagieren. Sie warten z. Zt. noch auf ihren Einsatz, sehr wahrscheinlich werden sie im Bereich Backoffice/ HelpDesk eingesetzt werden. Beide haben bereits an Team-Videokonferenzen teilgenommen.
 

Ein weiterer Mitarbeiter vom Institut ist Tobias Ziolkowski, seit Februar d. J. wissen-schaftlicher Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Process Analytics. Er hatte sich gleich zu Beginn der Kontaktbeschränkungen Gedanken gemacht, wie schlimm die Situation für Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sein muss. Für ihn war der Aufruf gewissermaßen die Antwort auf seine Frage.


Alle vier eint die Tatsache, dass sie aufgrund ihres Know-how das Projekt kompetent unterstützen können. Ehrenamtliche Tätigkeit ist für viele nichts Neues, sie waren z. T. als Fußballtrainer bereits aktiv. Wie lange sie sich in dem Projekt engagieren werden, hängt, gerade für Benedikt und Enes, davon ab, wie zeitintensiv ihr Studium und ihre HiWi-Tätigkeiten möglicherweise noch werden. Selbstverständlich bleiben alle vier so lange dabei, wie sie im Projekt gebraucht werden.

Prof. Dr. Roland Repp zeigt sich begeistert von einer ganz besonderen Kooperation mit dem Institut für Informatik an der CAU: „Die Tablets ersetzten keinen Kontakt von Mensch zu Mensch, helfen aber einen Kontakt zwischen Schwerstkranken und Sterbenden mit den Begleitern herzustellen, auch wenn diese sich nicht begegnen können. Leider erfordern auch die bedienungsfreundlichsten Geräte für eine Videotelefonie immer noch sehr viel technisches Know-how. Ich finde es großartig, dass sich Studierende und Mitarbeiter der Informatik bereiterklären, hier helfend einzuspringen und mithilfe einer Fernwartung auch dann eine Verbindung herzustellen, wenn dies an technischen Problemen scheitert.“